10 Jahre "Esmeralda´s mystische Geschichten": Alte Stereotype und eine neue Madame Esmeralda
Vor zehn Jahren erschien der erste Band von Esmeralda ´ s mystische Geschichten. Aus diesem Anlass möchte ich auf die Entstehung meiner zweiten Kurzgeschichtensammlung zurückblicken, auf die alte stereotypische Darstellung meiner Erzählfigur eingehen und noch einmal optisch in Madame Esmeralda´s Rolle schlüpfen. Viel Spaß dabei!

Spoilerwarnung: Weil ich in diesem Beitrag näher auf die Handlung von Esmeralda ´ s mystische Geschichten - Band 1, Band 2 und Helldog eingehe, solltest Du nicht weiterlesen, wenn Du die Bücher noch nicht kennst.
Eine weitere Kurzgeschichtensammlung entsteht
Nachdem ich im Herbst 2015 die Rohfassung der beiden The Maniac Street - Bände geschrieben und den Fokus darin auf Horrorerzählungen gelegt hatte, wollte ich ein mystisches Pendant dazu entwickeln. Statt vier Handlungen wählte ich pro Band drei aus, weil mir weniger Stoff dafür eingefallen war. Hierfür schuf ich eine weitere Erzählfigur, die in die mysteriösen Handlungen einführen und sie mit einem kurzen Nachwort ausleiten sollte. Aber anders als Mr. McWalden aus der Maniac Street sollte Madame Esmeralda nicht selbst darin auftreten, sondern sie lediglich erzählen.
Geschichte 1: Der Zug nach Nirgendwo
Die einleitende Erzählung ging auf eine meiner ersten aufgeschriebenen Geschichten überhaupt zurück. Entstanden war diese um 2005 herum und damit sogar noch vor dem im Jubiläumsbeitrag zu Cryptal City erwähnten 2009 verfassten Autounfall, in den vier Jugendliche verwickelt waren. Ich wuchs in einem Dorf rund hundert Meter von stillgelegten Schienen entfernt auf, über die sich die Kinder erzählten, dass darauf Geisterzüge fuhren. Ob diese Idee von meinen Klassenmitgliedern oder von mir selbst stammte, kann ich heute nicht mehr gesichert sagen. Auf jeden Fall spann ich die Geschichte weiter, erfand Details dazu (an die ich mich heute leider nicht mehr erinnern kann) und schrieb sie auf mehreren DIN A6 - Seiten auf. Was ich noch weiß, ist, dass sie mit Toten endete, die im Geisterzug saßen.
In dieser Zeit sah ich auch die Mysteryserie X - Faktor: Das Unfassbare zum ersten Mal. In der zweiten Folge der 1. Staffel, U - Bahn ins Nirgendwo, fuhr ein Zug seine beiden Passagiere immer weiter und weiter. Zwischendurch ging das Licht aus, wonach ein gruseliger Mann auftauchte. Diese Folge bereitete mir als etwa 12 - Jähriger Unbehagen und beschäftigte mich nach jeder Ausstrahlung. 2015, als ich bereits die Rohfassungen meiner ersten zehn Bücher geschrieben (aber noch nicht alle veröffentlicht) hatte, wollte ich für Esmeralda das Thema um einen Geisterzug erneut schriftlich behandeln - dieses Mal im professionellen Kontext. Dafür dachte ich mir Jess und Tony aus; ein Paar, das von Manhattan aus in eine namenlose Kleinstadt aufbricht, um ein paar Tage in einem Gasthaus auszuspannen. Dort treffen sie auf den wunderlichen Arnie, der scheinbar gedanklich abwesend von einem alten, längst geschlossenen Bahnhof berichtet. Als Jess nachts allerdings Zuggeräusche hört und seinen Partner dazu überredet, mit ihm nach dem stillgelegten Gebäude zu suchen, entdecken sie nicht nur unpassierbare Schienen, sondern sehen auch einen beinahe unsichtbaren ICE 9 samt der verstorbenen Passagiere mit eigenen Augen. Mit der Zuggeschichte wollte ich meinen Lesenden einen wohligen Schauer bescheren.
Geschichte 2: Der Geschmack des Todes
Wie ich auf die Idee zu der Geschichte um einen Kaugummi, der den Tod brachte, kam, kann ich heute ehrlicherweise nicht mehr sagen. Allerdings erinnere ich mich noch gut an die Stimmung, die darin herrschte, vor allem an die sexuelle Spannung zwischen Tobe und Blake. Obwohl beide Single sind, zusammen eine WG bilden und seit der Highschool eine Affäre miteinander haben, wird Tobe von dem ausschweifenden Verhalten seines Mitbewohners zunehmend genervter. Blake´s Rolle zu schreiben hatte mir tatsächlich den größten Spaß an der Erzählung bereitet. Später fährt er sogar auf den Strich, um seinen Hormonen freien Lauf zu lassen. Ich deutete einen ungeschützten Oralverkehr mit einem Fremden an und ließ ihn wenig später sterben - natürlich war dafür aber ein anderer Grund verantwortlich: bevor er den für pikante Dienstleistungen bekannten Platz mit quietschenden Reifen verlässt, lasse ich ihn einen Kaugummistreifen der Marke Best Choice essen.
Neben dem stets bereiten Blake ist mir Tobe´s Clique noch gut vertraut. Beim Schreiben fühlte sich die Freundschaft zwischen Gordo, Beth, Belinda und ihm ähnlich eng wie in meinem allerersten Buch, Cryptal City - Vier Jugendliche gegen eine Stadt, an. Hier waren es ebenfalls vier Heranwachsende, diese Zahl benötigte ich neben einer kleinen Hommage aber auch, weil in dieser Handlung eine Figur nach der anderen ihr Leben lassen sollte - stets kurz nach dem Genuss des ominösen Kaugummis. Die harmonische Freundschaft der Clique war zudem nötig, um die Tragik ihres Ablebens zu steigern. Eine weitere Parallele mit meinem Debütroman gab es durch eine Beerdigungsszene nach Gordo´s Tod. Am Ende ließ ich, ähnlich wie in meiner zuvor veröffentlichten Kurzgeschichte Helldog, alle Beteiligten sterben. Um die Ereignisse geheimnisvoller zu machen, ging ich nicht weiter auf die Herkunft der Süßware ein.
Geschichte 3: Spiegel
An die letzte Geschichte des Bandes habe ich im Gegensatz zur vorherigen deutlichere Erinnerungen. In einem anderen Beitrag, in dem ich erklärte, was mich das Fürchten lehrt, habe ich bereits 2021 verraten, dass ich neben meinen eigenen Ängsten vor Spiegeln durch die erste Folge der 1. Staffel X - Faktor: Das Unfassbare zu der Geschichte inspiriert wurde. In Die Frau im Spiegel sieht eine Hausbesitzerin darin jede Nacht eine fremde Frau, wodurch sie sich so sehr fürchtet, dass sie alle reflektierenden Glasflächen verhängt. Eines Nachts, als sie von einem Einbrecher überfallen wird, enthüllt sich ein Spiegel von selbst und zeigt Unglaubliches. Durch dieses traumatische Ereignis gelingt es der Hausbesitzerin ihre Angst zu überwinden.
Meine eigene Furcht vor Spiegeln geht maßgeblich auf diese Folge zurück. So graute es mir schon im Grundschulalter abends stets vor dem Toilettengang, weil ich befürchtete, tote Menschen im Badezimmerspiegel zu sehen. Das ging so weit, dass ich mich abends und nachts dazu zwang, nicht hineinzuschauen oder einzuhalten versuchte. Später kam noch die Angst tagsüber hinzu, wenn ich alleine im Haus meiner Oma bzw. nach einem Ortswechsel in der Wohnung war. Mit Spiegel konnte ich jene Furcht neben meinen eigenen Verhaltensweisen in die Geschichte einarbeiten, so handelt James genau so, wie ich es jahrelang getan hatte - nur dass er weder ein Kind oder Teenager, sondern ein Mittdreißiger ist. Jener lebt mit seinem Freund, dem Barkeeper Kaleb, zusammen. Selbstverständlich wählte ich diesen Beruf, damit James nachts alleine und damit seiner Furcht ausgesetzt ist. So verkneift er sich entweder den späten Gang ins Bad oder beeilt sich, mit abgewendetem Blick an den Spiegeln vorbeizulaufen. Vor lauter Kummer bittet er in einem Esoterikforum um Rat. Kurz bevor James´ Partner von seiner Schicht zurückkehrt, begeht er den für ihn fatalen Fehler in den im Schlafzimmer befindlichen Kosmetikspiegel zu schauen. Dieser zeigt ihm einen Toten, der neben ihm im Bett liegt. Panisch springt er auf und läuft durch die Wohnung, wo er nun überall Verstorbene sieht, selbst, wenn er nicht in die Spiegel blickt. Um ein größeres Unwohlsein bei den Lesenden hervorzurufen, ließ ich die Handlung offen enden.
Erst mit Ende 20 und damit Jahre nach der Veröffentlichung der Erzählung konnte ich meine eigene Angst überwinden. Allerdings verbanne ich Spiegel im Schlafzimmer noch immer konsequent, was bei meinem vorletzten Kleiderschrank und dem bereits daran befestigten Exemplar etwas aufwendig war. Mit Zahnseide, einem Fön und letztendlich einem Küchenmesser gelang es mir jedoch, den hartnäckigen Kleber und damit den Spiegel zu lösen. Inzwischen, wo ich mich selbst in den Dreißigern befinde, bereitet mir nur noch ein vom Duschen beschlagener Spiegel Missbehagen, denn wenn ich dort hineinschaue, sorgt der Dunst für seltsame weiße Ringe um meine Augen, was ziemlich schaurig aussieht...
Zweiter Band: Schwarze Katzen
Nach dem Schreiben von Esmeralda ´ s mystische Geschichten - Band 1 dauerte es nicht lange, bis ich mich an den zweiten Band begab. Hier gefiel mir vor allem die Arbeit an der zweiten Geschichte, Schwarze Katzen. Ihre Niederschrift ging mir sehr leicht von der Hand, darüber hinaus liebte ich die Beschreibung des egozentrischen Malers Jack. Der als Künstler Tätige setzt seinen tadellosen Ruf und seine optische Anziehungskraft auf andere Männer gezielt ein, um mit ihnen intim zu werden - und sie danach fallen zu lassen. Jack ist vor allem für seine zahlreichen, stets in Rottönen gepinselten Gemälde berühmt. Durch den für ihn schwärmenden Reporter Charles, den er auf einer weiteren Ausstellung trifft, sollte schließlich sein Geheimnis an die Öffentlichkeit kommen. Obwohl ich dessen neuestes Opfer nicht als intrigant anlegte, brachte ich Charles durch seinen ihn um ein heimliches Radiointerview drängenden Chef in die Zwickmühle. Der Angestellte lässt sich widerwillig darauf ein und deckt nach einigen unverfänglichen Fragen am Schluss das Ungeheuerliche auf: Jack zapft eingesperrten schwarzen Katzen ihr Blut ab, um damit seine Kunstwerke zu malen. Ich ließ die moralische Erzählung mit dessen Schrei enden, welches das schockierte Radiopublikum hört und erwähnte, dass nach dem unfreiwilligen Interview sowohl von Jack als auch von Charles jede Spur fehlt.
Die Geschichte war in einem Flow entstanden, weswegen sie sich etwas anders liest, als die restlichen jenes Bandes. Hier hatte ich die Handlung am deutlichsten vor Augen, was mir präzise Beschreibungen ermöglichte. Durch Jack´s egozentrisches Verhalten konnte ich auch gelegentlich etwas schwarzen Humor einstreuen. Zugleich war die Erzählung eine der ersten, die ich geschrieben hatte, als ich selbst eine beinahe völlig schwarze Katze bekommen hatte, was sie für mich nebenbei persönlicher macht. Hin und wieder lese ich sie mir durch, wobei mich ein warmes Gefühl der Erinnerung an ihre Entstehung und private Ereignisse überkommt. Neben Schwarze Katzen sollten zwei weitere Handlungen - eine um eine Sadomaso - Session, in die sich ein Geist einmischt und eine von automobilen Träumen, bei denen die Hauptfiguren am Schluss ihre Körper tauschen, folgen.
Wie ich damals optisch zu Madame Esmeralda wurde
Schon beim Schreiben des ersten Bandes wollte ich, genau wie bei The Maniac Street, selbst als Esmeralda auf dem Cover erscheinen. Weil ich keinen Rock hatte, nahm ich kurzerhand einen dicken roten Vorhang von meinem Wohnzimmerfenster ab, den ich für das Foto einem Rock ähnlich faltete. Darüber trug ich ein weißes Langarmhemd. Als Schultertuch diente eine blaue Organza - Tischdecke mit goldenen aufgedruckten Sternen. Meine optische Verwandlung wurde von einem schwarzen Nagellack komplettiert, der bei Tests so schwer wieder zu entfernen war, dass ich auf einen Trick zurückgriff: ich trug den Lack auf gelegentlich genutzte künstliche Nägel auf, ließ ihn darauf gut trocknen und klebte sie mir dann auf, wodurch ihre Entfernung wesentlich sauberer vonstattenging. Meine Augenlider schminkte ich lilafarben, was ich auch privat einige Jahre lang tat, als Madame Esmeralda verwendete ich jedoch deutlich mehr Lidschatten.
Das Bild entstand, wie meine erste Darstellung von Mr. McWalden, später Phil aus Depressiva sowie Tommy aus Tommy ´ s Rache in meinem Wohnzimmer. Da ich zu dieser Zeit noch eine Kristallkugel hatte, positionierte ich diese auf einem weißen, hochglänzenden Tisch. Das schwarze Tuch, in das ich die Kugel zum Schutz vor Staub und negativen Energien gewickelt hatte, nutzte ich als Tischtuch. Mit einer unter dem Bildausschnitt positionierten Lampe bestrahlte ich während des Fotoshootings mein Gesicht, damit es so aussah, als ob der Schein aus der Kugel käme. Letztendlich wählte ich eine Aufnahme ohne sie aus. Anschließend ging es an die langwierige Bildbearbeitung. So verfremdete ich mein Aussehen digital mit einer wesentlich längeren Nase, hohen Wangenknochen und einem spitzen Kinn. Selbst meine Hände verlängerte ich etwas. Es benötigte viel Zeit, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden war. Allerdings zollte die extrem hohe Bearbeitung ihren Tribut, da sie zulasten der Bildqualität ging. Nachdem ich den ursprünglichen Hintergrund ausgeschnitten hatte, ersetzte ich diesen durch eine dunkelblaue Farbe und einen selbst gezeichneten Mond. Zuletzt fügte ich ein stark strahlendes Licht anstelle der Kristallkugel ein.

Häufig wechselnde Cover
Aus Unzufriedenheit und wegen höheren Ansprüchen meinerseits wechselte das Cover für meine Kurzgeschichtensammlung häufig. Das erste kam von Mai bis September 2016 zum Einsatz, wo ich es noch einmal leicht überarbeitete. Hierfür entfernte ich den Tisch, spiegelte meine Darstellung, fügte einen Mond ein, den ich durch ein Teleskop vergrößert fotografiert hatte und wählte eine hellblaue Hintergrundfarbe. Dieses Cover nutzte ich bis Juni 2017, wo ich es durch eine Aufnahme von Madame Esmeralda, die durch einen nebligen Ort wanderte, ersetzte. Das dritte Cover war lediglich zwei Monate lang in Gebrauch, ehe ich mich aus Professionalitätsgründen schweren Herzens dazu entschied, meine Erzählfigur vom Einband zu entfernen und stattdessen eine Kerze zu zeigen. Cover Nr. 4 nutzte ich bis Juni 2019, wo ich für die Reihe erstmals auf CC0 - Lizenzen zurückgriff und ein Motiv mit einem Mond, der sich in einem See spiegelte, wählte. Für das zuletzt im März 2023 geänderte Cover entschied ich mich für ein typisches Wahrsage - Setting. Cover Nr. 6 gefällt mir noch immer gut, weswegen es nach wie vor meine mysteriösen Erzählungen ziert.
Vollständig überarbeitete Neuausgaben
Nach der Erstveröffentlichung Ende 2016 sollte es sieben Jahre dauern, bis ich mich erneut mit den insgesamt sechs mystischen Kurzgeschichten befasste. Schon davor hatte ich gelegentlich vereinzelt kleinere Korrekturen vorgenommen, aber nie an den kompletten Büchern und in diesem Ausmaß. Ich benötigte einige Wochen für die Überarbeitungen der beiden Bände, ehe ich im März 2023 die Neuausgaben und das aktuelle Cover präsentierte.
Hauptsächlich führte ich sprachliche Verbesserungen durch, wobei mir meine in den letzten Jahren gemachten Autorenerfahrungen behilflich waren. Aber es gab auch Fehlerkorrekturen und einige inhaltliche Veränderungen, so beschrieb ich beispielsweise die beiden vormals angedeuteten Liebesszenen zwischen Jess und Tony aus Der Zug nach Nirgendwo ausführlicher. Im zweiten Band galt es neben einem besseren Sprachstil in der Sadomaso - Geisterstunde auch, die an einer Stelle vertauschten Namen meiner Hauptfiguren und einen falsch bezeichneten Verwandtschaftsgrad zu ändern. Durch die Neuausgaben gelang es mir, die enthaltenen Geschichten weiter zu professionalisieren.
Alte, stereotypische Darstellungen
Die Inspiration für Esmeralda´s Namen hatte ich - zugegebenermaßen - aus stereotypischen Darstellungen der Sinti und Roma. In beinahe jedem Film, Buch und sogar Videospiel trug eine osteuropäische Wahrsagerin den Vornamen Esmeralda. Um 2014 herum hatte ich auch zum ersten Mal Disneys Der Glöckner von Notre Dame (1996) gesehen, wo eine weibliche Figur ebenfalls so hieß, hier aber ausnahmsweise keine Wahrsagerin mimte. 2015, als ich die Rohfassung der beiden Bände schrieb, fand ich den Namen für meine Figur passend, weswegen ich sie ebenfalls so nannte. Aus heutiger Sicht würde ich mir jedoch einen anderen, weniger stereotypischen Vornamen für sie aussuchen. Dass eine in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangene abwertende Bezeichnung allerdings unpassend war, wusste ich bereits damals, weswegen meine Erzählfigur die Lesenden in der ersten Einleitung über die korrekte Bezeichnung aufklärt.
Für ihr Aussehen auf den ersten Covern griff ich auf eine Mischung aus stereotypischer
und fantasievoller Darstellung zurück, in die ich auch eine allgemeine optische Vorstellung von Hexen miteinbezog. So wählte ich für ihre Verkörperung eine schwarze Perücke mit langem Haar, gleichfarbige Fingernägel
und eine markante Erscheinung. Ihr ungewöhnliches Gesicht diente ebenfalls dem Zweck, mein eigenes zu verfremden und sollte eine prägnante Kunstfigur schaffen.
Vorbereitungen für die neue Esmeralda
Im Rahmen meiner erneuten optischen Verwandlung in Mr. McWalden für den 10 Jahre - Beitrag von The Maniac Street und die entsprechenden Neuausgaben,
spielte ich mit dem Gedanken, noch einmal in die Rolle von Madame
Esmeralda zu schlüpfen.
Allerdings verwarf ich ihn zuerst, weil mir dies als zu aufwendig erschien. Eine Zeit lang trug ich ihn vor mir her, bis ich mich umentschied - auch, weil mir Mr. McWalden´s wiederholte Verkörperung Spaß bereitet hatte. Wie bei seinem Outfit besaß ich hier ebenfalls nicht mehr das Oberteil meiner Erzählfigur, daneben waren die roten
Vorhänge längst aus dem Wohnzimmer verschwunden. Jedoch besaß ich glücklicherweise noch die
blaue Tischdecke, die ich erneut als Schultertuch nutzen wollte. Zudem befand sich die
schwarze Perücke weiterhin in meinem Besitz, die von mir hin und wieder für private Filmprojekte genutzt wurde. Wollte ich mein
Gesicht zuerst mit Latexprothesen verfremden, verwarf ich die Möglichkeit schnell, da diese langwierig hätten eingefärbt bzw.
nachbearbeitet werden müssen, um das Material an meine Hautfarbe
anzupassen. Nach einem Testbild entschied ich mich dafür, die
Verfremdung abermals digital vorzunehmen. Durch die
Verwendung einer inzwischen hochauflösenden Kamera sowie einer
verbesserten Bildbearbeitungsfunktion, stieg die Qualität des
Ausgabebildes wesentlich. Hatte ich für das neue Foto von Mr. McWalden, ein mittleres zweistelliges Budget benötigt, war die Darstellung der neuen Esmeralda ein paar Euro günstiger.
In einem Laden vor Ort kaufte ich ein ähnliches weißes Hemd, welches keiner weiteren Modifizierungen bedurfte. Statt aus einem Vorhang einen Rock zu formen, bestellte ich mir ein entsprechendes rotfarbiges Modell. Weil ich inzwischen einen guten schwarzen Nagellack gefunden hatte, der keine Sauerei auf den Fingern hinterließ, lackierte ich mir jetzt meine echten Nägel schwarz. Optional besorgte ich mir noch anklippbare Ohrringe. Vor dem Shooting schminkte ich mich ähnlich, wie ich es 2015 getan hatte. Da der gleiche violette Lidschatten, den ich damals getragen hatte, noch bei meinen Schminkutensilien lagerte, verwendete ich diesen wieder. Allerdings besaß ich den ebenfalls genutzten weißen nicht mehr, was aber keinen großen Unterschied machte. Passenderweise fertigte ich die Aufnahmen im Oktober, kurz vor Halloween und damit um die Veröffentlichungszeit des ersten Bandes herum an.
Nach einem kleinen Aufbau versuchte ich eine ähnliche Beleuchtung wie bei meiner ersten Verkörperung von Esmeralda hinzubekommen. Es dauerte einige Zeit, bis ich den richtigen Winkel, eine vergleichbare Mimik und Körperhaltung fand. Weil es an diesem Tag knapp 20 Grad warm war, wurde mir in dem Outfit schnell warm. Teilweise rutschten trotz Wig Cap sogar die Kunsthaare hinunter, die ich dieses Mal etwas präparierte, um den Glanz zu minimieren. Das Tischtuch verabschiedete sich schon bei den ersten Aufnahmen von meinen Schultern. Dabei erinnerte ich mich, damals eine Sicherheitsnadel zur Fixierung genutzt zu haben, weswegen ich eine Büroklammer zu Hilfe nahm. Nach beinahe jedem Foto musste ich mir wieder die Frisur richten und gelegentlich etwas zurechtschneiden. Teilweise hatte ich - wie einst - einzelne Haare im Gesicht oder am Lipgloss hängen, die es stets zu entfernen galt. Zwischendurch musste ich mir den Schweiß abtupfen. Da ich mir schon ein Motiv, in welches ich Esmeralda einfügen wollte, ausgesucht hatte und wusste, dass der Rock darauf nicht zu sehen sein würde, fertigte ich Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln, mal mit und mal ohne Rock sowie mit und ohne Ohrringe an.

Insgesamt fertigte ich an einem Tag zwei Shootings an, weil die Beleuchtung des ersten nicht stimmig zum Originalbild war. Erst dann bekam ich auf meinem Gesicht relativ ähnliche Licht - und Schattenverhältnisse hin. Insgesamt dauerten die beiden Shootings drei Stunden, wobei 150 Bilder entstanden. 24 davon schafften es in die engere Auswahl. Schließlich wählte ich ein Foto ohne Ohrringe. Erst bei dessen Bearbeitung merkte ich wieder, wie viel Aufwand in das damalige geflossen war. Um Esmeralda nun etwas realistischer wirken zu lassen, entschied ich mich bewusst dafür, ihre Nase nicht mehr so spitz, ihr Kinn nicht mehr so lang und ihre Lippen nicht mehr so riesig zu machen. Stattdessen setzte ich die jeweiligen Veränderungen behutsamer ein. Natürlich entfernte ich digital noch die Büroklammer vom Tischtuch.
Alleine die händische Bildbearbeitung kostete mich
über zehn Arbeitsstunden. Danach musste ich den Hintergrund noch durch
mein Motiv ersetzen und daran ebenfalls größere Details sowie Feinheiten
ändern. Um die Kristallkugel nicht zu überstrahlen, setzte ich durch einen dezenteren Lichteffekt auch hier auf einen höheren Realismus. Weil ich die Szenerie meines 2023 erstellten Covermotivs stimmig fand, nahm ich eine andere Variante davon und fügte mich dort ein. Wie einst musste ich hier abermals die Vorhänge
glätten. Zuletzt passte ich die Größe der Aufnahme an die von Mr.
McWalden an und fügte sie am Anfang des ersten Kapitels von Band 1 und Band 2 ein. Dabei fertigte ich pro Buch (und trotz der Neuausgaben) noch fünf neue Korrekturdurchgänge an.
Fazit
Wenn ich an die Entstehung von Esmeralda ´ s mystische Geschichten zurückdenke, kommen mir vor allem die Geschichten Spiegel aus Band 1 und Schwarze Katzen aus Band 2 in den Sinn. Neben der Verarbeitung meiner eigenen Ängste vor Spiegeln gefiel mir die egozentrische Darstellung des Malers mit dessen dunklem Geheimnis. Für die Reihe wechselte ich häufig das Cover, freute mich im Rahmen dieses Jubiläumsbeitrags aber nach anfänglichem Widerwillen, noch einmal in die Rolle der Madame Esmeralda zu schlüpfen und ihr Bild in die beiden Bände einzufügen. Obwohl ich ihren stereotypischen Namen und ihre optische Darstellung inzwischen kritischer sehe und deshalb zumindest letztere in der neuen Version behutsamer anlegte, verbinde ich positive Erinnerungen mit meiner Erzählfigur und der zweiteiligen Reihe.
Zum Jubiläum sind beide Bände von Esmeralda ´ s mystische Geschichten für nur 2,49€ statt 2,99€ erhältlich. Das Angebot gilt vom 12.10. - 23.10.2026.
