Weshalb ich nicht mehr in den Unverpackt- Laden gehe

11.07.2024

Als 2019 in meiner Nähe ein Unverpackt - Laden eröffnete, war die Freude groß: endlich konnte ich auf unnötige Verpackungen verzichten. Doch nach einem halben Jahr holte ich den Großteil meiner Einkäufe wieder im Supermarkt. Hier erkläre ich die Gründe, weshalb ich nicht mehr in den Unverpackt - Laden gehe.

Symbolfoto. Bildquelle: pexels-tim-mossholder-942320 von pexels.com / Eigene
Symbolfoto. Bildquelle: pexels-tim-mossholder-942320 von pexels.com / Eigene

Vorweg: Diese Kritik gilt für das von mir besuchte Geschäft. Gut geführte Unverpackt - Läden sind Supermärkten natürlich vorzuziehen.

Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, welches ich hatte, als ich das erste Mal in den Lokalnachrichten vom Unverpackt - Laden in meiner Nähe gelesen hatte: es wurde Zeit, dass so ein Geschäft endlich in der Umgebung eröffnete und ich hatte es kaum abwarten können, dort einkaufen zu gehen. Teilweise hatte ich einige Dinge bereits über das Internet bestellt, weshalb ich nicht ganz unvertraut mit verpackungsfreien Alternativen war. Aber das häufige Nachbestellen war nicht nur lästig, sondern auch schädlich für die Umwelt - da brachten auch die unverpackten, nachhaltigen Dinge nicht viel. Es dauerte einige Monate, bis der Laden Wirklichkeit wurde, hin und wieder hatte ich sogar mit anderen Interessierten neugierig vor dem abgedeckten Schaufenster gestanden und in das angemietete Geschäft hineingespäht, um die Renovierungsarbeiten mitzuverfolgen. Bei der Eröffnung war ich schließlich anwesend und erstaunt von dem Rummel, der um den Laden gemacht wurde: eine Pressevertretung, ein Fotograf und eine beträchtliche Anzahl an potentieller Kundschaft waren vor Ort. Obwohl die Verkaufsfläche winzig war (und es demnach ein ziemliches Gedränge gegeben hatte), war ich anfangs von dem Sortiment begeistert gewesen, sodass ich schnell versprochen hatte, regelmäßig vorbeizukommen. Neben losen Snacks und Schokolade, gab es etwas Obst, Hygieneartikel und unverpackte Nudeln, Reis etc.. Auch vor Verbesserungsvorschlägen oder Kritik hatte sich die junge Inhaberin, die in meinem Alter war, nicht gescheut und ein entsprechendes Glas mit Zetteln bereitgestellt, welches ich gleich mit einigen Punkten, die mir aufgefallen waren, befüllt hatte.

Wenn Lebensmittel zum Luxus werden

Ein halbes Jahr war ich Stammkunde - und frage mich noch heute, wie ich das eigentlich finanziert habe. Das ist auch mein größter Kritikpunkt, denn immer wieder rissen die Ausflüge in den Unverpackt - Laden ein großes Loch in die Haushaltskasse. Fünf Monate lang weigerte ich mich, der Wahrheit ins Auge zu sehen und dem neuen Geschäft die Schuld dafür zu geben, bis ich letztendlich einsah, dass es wirklich daran lag. Eine einzige Rolle Toilettenpapier für 2€, ein Glas Nudeln mit etwa ein Kilo Inhalt für 8€, eine handvoll Zahnputztabs, die einen Monat lang reichen sollten, für 15€ und ein Kilo Kaffee für dreißig Euro (!) waren einfach viel zu teuer. Dazu kam, das letzterer auch noch von einer lokalen Bank "gesponsert" wurde, weswegen der extreme Preis erst recht seltsam war. Ich wusste ja, dass die Lebensmittelpreise im Supermarkt stetig stiegen - umso weniger verstand ich daher, weshalb ich für weniger Verpackung mehr Geld ausgeben sollte. Nach sechs Monaten war die Haushaltskasse also durchlöchert und der Frust groß. Es war klar, dass die Zeit für eine Veränderung gekommen war.

Wohlgemerkt, es handelte sich hier um das Jahr 2019 - also waren diese Preise vor Corona und den daraus resultierenden Krisen alles andere als normal (und sind es teilweise auch danach nicht). Drei Jahre später, nachdem die Pandemie - Beschränkungen endlich aufgehoben worden waren, wurde ein Cashewkäse am Stück ins Sortiment genommen, den ich sofort ausprobierte und für überaus lecker befand. Der Schock kam erst beim zweiten Einkauf des Käses, als mir die Inhaberin an der Kasse mitteilte, dass er 10€ kostete. Das war mir durch andere Einkäufe beim ersten Mal nicht aufgefallen. Danach unterließ ich es, für das kleine 135 Gramm - Käsestück so viel Geld zu bezahlen und merkte auch hieran, dass die Lebensmittel in diesem Geschäft aufgrund der hohen Preise zum Luxus wurden.

Wenig nachhaltig: in Plastik verpackte Erdbeeren im Unverpackt - Laden. Symbolfoto. Bildquelle: pexels-elle-hughes-3513237/ pexels-craig-adderley-1858199 von pexels.com/ Eigene
Wenig nachhaltig: in Plastik verpackte Erdbeeren im Unverpackt - Laden. Symbolfoto. Bildquelle: pexels-elle-hughes-3513237/ pexels-craig-adderley-1858199 von pexels.com/ Eigene

Die Sache mit den Erdbeeren und weitere Schnitzer

Ich machte mir die Entscheidung, wieder mehr im Supermarkt zu kaufen, wegen meines in den letzten Jahren enorm gestiegenen Umweltbewusstseins alles andere als leicht. Aber es ging nicht anders, wenn ich mich ausreichend ernähren und einen einigermaßen fairen Preis für meine Einkäufe zahlen wollte. Dazu kam, dass sich der Unverpackt - Laden im Laufe der Zeit einige grobe Schnitzer leistete, die mir sauer aufgestoßen waren. So gab es im Sommer plötzlich Erdbeeren in Plastikschalen - die selben, die es auch im billigsten Discounter gab - hier natürlich um einiges kostenintensiver. Zurecht brachte diese Sortimentsentscheidung dem Laden einige Kritik in den sozialen Medien ein und auch mir gefiel das nicht, weil es komplett am Unverpackt - Prinzip vorbeiging. 

Auch mein bei der Eröffnung gemachter Vorschlag, die Rasierklingen von einem anderen Hersteller zu beziehen, der sie in Pappe und nicht in einer Plastikschachtel vertrieb, stieß lange nicht auf Anklang. Als sich die Inhaberin vor ihrem Geschäft dann noch an einem Trödelmarkt beteiligte und dutzende Plastikutensilien verkaufte, weckte dies in mir Zweifel, wie ernst es ihr mit dem Thema Nachhaltigkeit wirklich war. Wer ein entsprechendes Geschäft betreibt, sollte privat keine Müllberge ansammeln... Ebenfalls stutzig wurde ich, als ich bei meinen Besuchen häufig Pappkartons sah, die gerade angelieferte Waren beinhalteten. Seltsamerweise wurden bestimmte Artikel wie Snacks oder Schokolade aber stets in den Keller gebracht und dort auch aufgefüllt, wenn sie leer waren. Alles andere wurde im Laden vor der Kundschaft aufgefüllt, was schnell den Verdacht aufkommen ließ, dass der Unverpackt - Laden selbst mit Plastik beliefert wurde, im Keller die Tüten aufgerissen, versteckt und dort die schädlich verpackten Lebensmittel aufgefüllt wurden. Ein bloßes Umfüllen von Plastik in Glasbehälter - und dann auch noch zu einem erhöhten Preis - ist aber nicht der Sinn der Sache!


In einem Kühlschrank wurden später Kuhmilch und Joghurts verkauft, was es genauso gut im Supermarkt in Gläsern gab. Eine wirkliche Innovation wäre unverpackte Pflanzenmilch oder veganer Joghurt gewesen - beides gibt es im Großteil Deutschlands bisher nämlich nicht plastikfrei. Bei meinem letzten regelmäßigen Besuch wollte ich ein Haarshampoo am Stück kaufen, wurde jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass "die Kundschaft lieber Duft mag". Auch das sehe ich nicht als Sinn eines Unverpackt - Ladens an, denn wer nachhaltig einkaufen möchte, möchte sich - normalerweise - auch keine schädlichen Duftstoffe in die Haare schmieren. Das einzige Shampoo, welches in der Umgebung verpackungsfrei erhältlich war, wurde also mit einer fadenscheinigen Begründung aus dem Sortiment genommen. Plötzlich wurden auch Plastikbecher eingeführt, die auffällig beworben wurden und die Interessierte "zweihundert Mal" benutzen konnten, bevor sie weggeworfen werden mussten. Was ging denn jetzt dort ab?
Die ganzen negativen Punkte ließen mich über das Geschäft nachdenken und an dessen Existenzberechtigung zweifeln. Wenn ein Unverpackt - Laden selbst Plastikverpackungen kauft, offen Hygieneartikel (Rasierklingen, aus hohem Plastikanteil bestehende "Bambusbecher", Plastikbecher) und verdeckt Lebensmittel (Snacks etc.) in Plastik bezieht und umgefüllt teuer verkauft, berechtigt dies nicht nur zur Kritik, sondern wirft auch Fragen auf. Weshalb sind die Lebensmittelpreise dort doppelt bis dreifach so hoch wie in anderen Läden? Sollten unverpackte Waren nicht eher günstiger sein? Klar, ein kleines Geschäft erhält nur einen Bruchteil der Menge eines herkömmlichen Supermarktes, aber ist dieses Argument wirklich die Antwort auf alles? Schließlich konnte sich der Laden im Höhepunkt der Coronakrise sogar einen Umzug in eine größere Lokalität erlauben, was mich erst recht skeptisch machte.


Fazit

Ich persönlich zweifle mittlerweile nicht nur an der Authentizität der Inhaberin, sondern an dem Geschäft allgemein. Dass sich die später auch noch weiter gestiegenen Preise kaum noch jemand leisten konnte, zeigte auch die Tatsache, dass der Laden 2023 schließen musste. Doch schon davor holte ich nur noch das Allernötigste dort und bezahlte für den Rest wieder einigermaßen normale Preise im Supermarkt, wo ich mit meinen Kaufentscheidungen ebenfalls ein paar Stellschrauben drehen und durchaus etwas Plastik einsparen kann. Denn auch hier sind Obst oder Nudeln, Schokolade, Mehl, Marmelade usw. häufig ohne Plastikverpackung erhältlich. Nichtsdestotrotz war meine Gesundheit ein weiteres Argument gegen den Unverpackt - Laden. Wenn ich zwar plastikfrei einkaufe, aber für mein Geld nur ein Viertel von der Menge erhalte, die ich im Supermarkt bekomme, kann ich mich nicht gesund und ausreichend ernähren. Es bringt mir persönlich nichts, aufgrund der exorbitanten Preise dort nicht satt zu werden, aber dafür den lokalen Unverpackt - Laden zu unterstützen, der ja auch nicht wirklich unverpackt beliefert wurde.

Natürlich soll meine Kritik Lesende nicht davon abhalten, Unverpackt - Läden zu besuchen - denn richtig geführt sind sie eine gute Sache - aber sie soll sie hinterfragen lassen, ob ihre besuchten Läden sinnvoll sind und wie nachhaltig diese wirklich mit Ressourcen umgehen.


Abschließend noch ein paar Tipps für einen nachhaltigen Einkauf im Supermarkt:

- Regional und zu Fuß einkaufen gehen
- Wenn möglich Alternativen im Glas oder in Pappe statt in Plastik wählen
- Loses Obst ohne Hemdchenbeutel kaufen
- Einkauf im Stoffbeutel o. ä. transportieren
- Alltagsdinge wie Kämme gibt es in Drogerien auch aus Holz statt aus Plastik, Wattestäbchen gibt es inzwischen mit Pappstäbchen, Strohhalme aus Edelstahl, Abschminkpads aus Baumwolle oder Bambusfaser etc.
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