Archiv: Meinung zu "Willkommen bei den Louds"
Hinweis: Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 16.04.2018 auf meinem ehemaligen Autorenblog. 2026 wurde er von mir leicht überarbeitet und als Archivbeitrag auf dieser Website neu hochgeladen.
In diesem Beitrag äußere ich meine Meinung zur Fernsehserie Willkommen bei den Louds und erkläre, was mir an ihr besonders gefällt, was weniger und weshalb ich sie sogar für pädagogisch wertvoll halte.
Zugegeben, um mich für eine (neue) Serie begeistern zu können, braucht es einiges, da ich lieber Filme statt ellenlanger Staffeln schaue. Als ich im Februar 2018 zufällig auf dem Sender Nickelodeon hängenblieb, lief eine Folge der Zeichentrickserie Willkommen bei den Louds. Ich sah sie mir an, fand sie ganz nett und legte die Fernbedienung aus der Hand. Nachdem die Folge, die in der Regel aus zwei voneinander unabhängigen Geschichten besteht, zu Ende war, erkundigte ich mich im Teletext nach dem Namen der Serie und beschloss, mir die kommende Folge am nächsten Tag ebenfalls anzusehen. Für mich eher ungewöhnlich blieb es nicht bei diesen Folgen, denn ich verfolgte Willkommen bei den Louds weiter.
Doch was gefällt mir so daran?
Zum einen liegt es an der Story selbst: der elfjährige Lincoln Loud lebt mit seinen zehn (!) Schwestern und seinen Eltern in einem Haus. Er ist also der einzige Junge und somit einer der Hauptprotagonisten der Serie. Lincoln spricht oftmals durch die vierte Wand zu dem Publikum. Da ich ein Einzelkind bin, sind die in jeder Folge auftauchenden Konflikte interessant für mich. Aber auch die Animationen, die nicht so herzlos sind, wie bei anderen Produktionen aus den letzten Jahren, tragen ihren Teil dazu bei. Obwohl sie digital entsteht, sieht sie noch wie eine richtige Zeichentrickserie aus. Kinder aus den frühen 2000ern werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass solche mehr Herz besitzen. Aber sie sind leider sehr, sehr rar geworden.
Eine besondere Art von Humor
Gerade die Kombination aus klassischem Zeichenstil und moderner Erzählweise gefällt mir sehr. Ein weiterer Pluspunkt ist die besondere Art von Humor. Jede Schwester hat beispielsweise einen eigenen Charakter. Lola Loud tut den ganzen Tag fast nichts anderes, als in den Spiegel zu schauen und ihre Schönheit zu bewundern. Lori Loud ist in Bobby verliebt und geht über Leichen, wenn irgendjemand ihre Beziehung – und damit ihren ganzen Lebensinhalt – zu stören versucht. Meist übernimmt Clyde, ein Schulfreund von Lincoln, diesen Part, da er in sie verliebt ist.
Am besten von den zehn Geschwistern gefallen mir allerdings Lucy, die sich durch ihr düsteres Auftreten im Emo – Stil von allen unterscheidet, gerne Seancen abhält oder auch schon mal mit Clyde´s Vater Beerdigungen übt sowie Lisa, die stets beim Sprechen spuckt und mit ihren Durchfallstudien die Familie in den Wahnsinn treibt. Aber sie experimentiert auch mit giftigen Substanzen und die Tatsache, dass jede dort lebende Person ihr Zimmer betreten kann, sorgt für reichlich misslungene Experimente.
Erste queere Figuren in einer Nickelodeon - Serie
Nachdem ich Willkommen bei den Louds einige Zeit gesehen hatte, lief im Fernsehen die Folge Aufmerksamkeitsdefizit (1. Staffel). Darin wurden Clyde´s Väter thematisiert, was mich sehr gefreut hatte. Später erfuhr ich, dass Harold und Howard McBride die ersten queeren Figuren in einer Nickelodeon - Serie sind. Deren Homosexualität wird ganz erfrischend dargestellt und ich bin mir sicher, dass kleine Zuschauende dadurch keinen Schaden für ihr Leben erlitten haben, wie es oftmals von homophoben Erwachsenen behauptet wird.
Über die Figuren werden keine Witze gerissen und in der deutschen Synchronisation werden sie sprachlich ganz korrekt als seine beiden Väter bezeichnet. Diese haben einen ganz normalen Alltag – sie leben also nicht in einem klischeehaften pinken Märchenschloss. Eine der Hauptfiguren, Luna Loud, ist sogar bisexuell, womit ebenfalls ganz normal umgegangen wird. Ich hoffe, dass dieses Thema in neuen Folgen noch weiter ausgebaut wird.
Moral und Lob
Am Ende fast jeder Folge gibt es eine besondere Moral, in welcher der familiäre Zusammenhalt gestärkt oder vorangegangener Egoismus verziehen wird und das Publikum eine kleine Weisheit für das Leben lernt. Diese positiven Botschaften finde ich pädagogisch gerade für kleine Kinder äußerst wertvoll!
Mein Lob geht auch an die deutsche Synchronstimmen, die meiner Meinung nach durch die Reihe weg stimmig besetzt wurden. Die meisten changieren für die Figuren, was sich nach einigen Recherchen ihrer Normalstimmen als durchaus gelungen bezeichnen lässt. Bisher wurden alle Synchronschauspielenden beibehalten – das ist heutzutage leider nicht selbstverständlich und soll deswegen hier eine Erwähnung finden.
Von Pupswitzen zur sexuellen Belästigung
Ein kleines Manko, welches kritisiert werden könnte, ist der deutsche Serienname, denn dieser bietet Verwechslungspotenzial mit Willkommen bei den Sch ´ tis, Willkommen bei den Hartmanns... Hier wäre lieber der englische Originaltitel, The Loud House, beibehalten worden, der ein Wortspiel – aufgrund des Trubels bei Großfamilie Loud – darstellt. Gerade in den Anfangsfolgen gibt es häufige Pupswitze, die die moralischen Inhalte etwas banalisieren. Es wäre schön, wenn diese in neuen Folgen reduziert werden würden, um etwas ernster zu werden.
Von Willkommen bei den Louds existieren derzeit 52 Folgen, die glücklicherweise alle auf Deutsch synchronisiert wurden. Die dritte Staffel läuft seit Januar 2018 in den USA. Es darf also gehofft werden, dass sie auch irgendwann hierzulande ausgestrahlt wird. Ungewiss ist jedoch, ob sich diese aufgrund von Chris Savino´s Rauswurf wesentlich von den bisher erschienenen zwei Staffeln unterscheidet. Im Jahr 2017 wurde der Serienerfinder nämlich aufgrund sexueller Belästigung seiner Mitarbeiterinnen von Nickelodeon gefeuert. Davon abgesehen ist auf der verlinkten Seite zu lesen, dass Willkommen bei den Louds nach Spongebob Schwammkopf die beliebteste Nick – Serie ist.
In Deutschland gibt es noch nicht viel Aufmerksamkeit
Willkommen bei den Louds scheint in Deutschland leider nicht die Aufmerksamkeit zu bekommen, die diese großartige Serie verdient hätte. Das ist schade, denn sie unterscheidet sich im Vergleich zu Computer – Animationsserien, in denen es stets um Blut und Gewalt geht (und die damit eben nicht angemessen für Kinder sind) enorm. Die Zeichentrickanimation im Comic – Stil könnte für einige altbacken wirken, jedoch identifiziert sich ein Großteil der Zuschauenden eher mit solchen Zeichnungen, als mit 3D – Animationen, die gerade bei Billigproduktionen auf ältere Personen uninteressant wirken.
Fazit
Willkommen bei den Louds ist durch die angesprochene Themenvielfalt, die Ausarbeitung der Figuren, der Situationskomik und deren besonderen Humor sowie den moralischen Werten für sämtliche Zuschauende geeignet, sodass sich auch Teenies nicht schämen müssen, wenn sie sich die Serie ansehen. Erwachsenen bietet diese eine großartige Unterhaltung, die ihresgleichen in der derzeitigen TV – Landschaft sucht.
Es bleibt nur zu hoffen, dass es noch viele weitere Staffeln in der gleichen oder sogar höheren Qualität von Willkommen bei den Louds geben wird.
Weitere Informationen zur Serie
wikipedia.de –
Willkommen bei den Louds
