Archiv: Homophobie im "Harry Potter" - Universum?
Derzeit gibt es in den Medien Diskussionen darüber, ob die Darstellungen der (scheinbar) homosexuellen Figur Albus Dumbledore bisher falsch interpretiert wurden oder zukünftig falsch interpretiert werden. Ich äußere meine Meinung zum Thema und übe Kritik am Harry Potter – Universum.
Hinweis: Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 15.02.2018 auf meinem ehemaligen Autorenblog. 2026 wurde er von mir leicht überarbeitet und als Archivbeitrag auf dieser Website neu hochgeladen. Einige der enthaltenen Links zu Fremdseiten funktionieren inzwischen nicht mehr.
Wer kennt ihn nicht? Den Jungen, mit der Narbe an der Stirn, der den Anschlag auf ihn als Baby überlebt hat? Ausgeführt von dem, dessen Name nicht genannt werden darf...
Natürlich ist die Rede von Harry Potter und Lord Voldemort. Die Harry Potter – Buchreihe begann 1997 mit dem Stein der Weisen und endete 2007 mit dem siebten Band und den Heiligtümern des Todes. Fans dachten bis dato, alles über die Figuren zu wissen, doch im selben Jahr machte Autorin J. K. Rowling ihnen auf einer Lesung in New York einen Strich durch die Rechnung: der Schuldirektor von Hogwarts, Albus Dumbledore, sei schwul. Viele Fans wunderten sich über das plötzliche Outing, da vorher eben nie etwas Eindeutiges angedeutet worden war.
Die Harry Potter - Filmreihe endete 2011, wodurch es in der Filmwelt seitdem etwas weniger magisch wurde. Mit dem sperrigen Titel Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind wurde der Kommerz 2016 weiter ausgedehnt, da es in dieser Geschichte nicht um Harry Potter selbst, sondern um eine Vorgeschichte geht, die im gleichen Universum spielt. Im November 2018 soll der zweite Teil erscheinen, der sich besonders um Grindelwald und (den noch jungen) Dumbledore drehen soll. Regisseur David Yates verkündete aber, dass es keine Liebesgeschichte zwischen beiden geben wird, obwohl Autorin Rowling oftmals davon sprach, dass Albus in seinen Kontrahenten verliebt gewesen wäre.
Das stößt vielen sauer auf und hat auch bei mir die Frage aufgeworfen, ob Dumbledore´s damaliges Outing bloß PR war und ob die Verantwortlichen hinter den Kulissen des Harry Potter – Universums homophob sind. Auffällig ist, dass nicht ein einziges Mal in den 8 Filmen der Originalreihe (Band 7 wurde in zwei Filme aufgeteilt) eine einzige Szene angedeutet wird, die klar auf die sexuelle Identität des Schulleiters schließen lässt. Vielmehr verhält sich der Charakter heterosexuell – und damit massentauglich. So bandelt er in Harry Potter und der Feuerkelch mit Olympe Maxime – einer Frau – an und verhält sich in Konkurrenz zu Hagrid. Am Ende des vierten Teils tanzt er sogar mit ihr, was gleichzeitig dessen einzige intime Szene in der ganzen Filmreihe darstellt.
Es ist mehr als berechtigt, wenn Fans nun Kritik üben, da gerade Dumbledore´s junges Leben verfilmt wird und offenbar nicht die Absicht gehegt wird, seine Figur korrekt darzustellen. Und das, obwohl der Fakt, dass er in seinen Feind verliebt ist, ein wichtiger Punkt für seine Handlungen ist. Wann bitte soll es eine (Rand –) Erwähnung finden, wenn nicht jetzt? Oder wird auf ein weiteres Spin – Off spekuliert, das ausführlicher auf Albus Dumbledore eingehen möchte; in zehn oder zwanzig Jahren, wenn Homosexualität in der Öffentlichkeit vielleicht mehr Toleranz findet? Ist nicht gerade jetzt, während Trump´s aggressiver Politik gegen queere Menschen, der richtige Zeitpunkt erreicht, um ein Zeichen zu setzen? War Rowling´s Figurenouting vielleicht einfach nur ein Mittel, um die Nachfragen tausender Fans mit einem Schlag zu beenden?
Es könnte so abgelaufen sein:
Frage: "Was macht eigentlich Hogwarts ´ Schulleiter privat?"
Antwort: "Er ist schwul."
Thema erledigt.
Liegt die unter den Teppich gekehrte sexuelle Identität einer wichtigen Figur an der Autorin, dem Regisseur (der auch schon die letzten vier Harry Potter – Teile inszeniert hat) oder dem Filmstudio? Es ist seltsam, dass über den Schuldirektor so wenig bekannt ist, wo doch scheinbar alle außer ihm irgendeine eindeutige Beziehung zu dem anderen Geschlecht haben.
J. K. Rowling verteidigte die Kritik bereits nach dem Motto Warten lohnt sich, da mit Phantastische Tierwesen 2: Grindelwald ´ s Verbrechen ja erst einmal der zweite von fünf geplanten Teilen ins Kino käme. Ob aber in den letzten drei Teilen endlich explizit auf Dumbledore´s Homosexualität eingegangen wird, darf deutlich bezweifelt werden!
