Archiv: Genderneutrales Spielzeug

22.12.2015

Jetzt, in der Weihnachtszeit, sind Vorurteile und alteingesessene Haltungen wieder besonders deutlich spürbar. In diesem Beitrag geht es um Geschenke, welche Kinder erfreuen: Spielzeug. Doch nur genderneutrales Spielzeug wird Kinder nachhaltig glücklich machen.

Hinweis: Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 22.12.2015 auf meinem ehemaligen Autorenblog. 2026 wurde er von mir leicht überarbeitet und als Archivbeitrag auf dieser Website neu hochgeladen. Einige der enthaltenen Links zu Fremdseiten funktionieren inzwischen nicht mehr.

Konservative Produktionsfirmen

Bevor Kinder Geschenke auspacken können, geht es an das Aussuchen der jeweiligen Spielzeuge. Bereits da beginnt der Genderkampf: ob im Supermarkt, im Spielwarenladen oder im Internet – Kinder werden in Schubladen gesteckt. Rosafarbene oder marineblaue Schubladen.
Puppen werden mit Mädchen beworben, Laborkästen mit Jungen. Doch wie konservativ die Produktionsfirmen für Spielwaren wirklich sind, wird erst anhand der Produktbeschreibungen ersichtlich. Nicht nur, dass sie per Farben und Bildern explizit kennzeichnen, welches Geschlecht es wert ist, mit dem Spielzeug zu spielen, seit Jahren wird zusätzlich auf Begriffe wie Only for girls! oder Nur für Jungs gesetzt.

Für diejenigen Erwachsenen unter uns, die keine entbehrungsreiche Kindheit hatten, ist es kaum vorstellbar, in welcher Situation Kinder stecken, die eben mit dem Spielzeug für das andere Geschlecht spielen möchten! Dadurch kommen viele von ihnen nie in den Genuss von Spielzeug, welches sie wirklich haben möchten. Über das Jahr verteilt – und unter dem Weihnachtsbaum liegend – bekommen sie dann nicht die Dinge, die sie wirklich wollen, sondern welche lediglich ihrem Geschlecht zugeordnet wurden. Individualität? Fehlanzeige!

Blaue und pinke Schizophrenie

Wer sich mal wenige Minuten vor den Fernseher setzt und eines der zahlreichen Kinderprogramme einschaltet, wird einige Dinge sofort bemerken:
- kurze Werbespots, schnell gesprochen
- abwechselnde Spots, mit unterschiedlicher Geschlechtsansprache
- die Stimmen der Sprechenden und die Farben der Spots

Während "Mädchenspielzeug" von einer sanften Frauenstimme – vielfach auch einer Mädchenstimme – angepriesen wird, präsentieren die Unternehmen von "Jungsspielzeug" ihre Spots mit rauen Männerstimmen. Die Umgebung der präsentierten Produkte reichen von ordentlichen Wohnzimmern und sauberen Parks bei den Mädchen bis hin zu typisch chaotischen Spielzimmern und Wüsten für Jungs.
Wer sich diese Spots anschaut, wird eine offenbare Schizophrenie der Kinderwerbung nicht leugnen können. Die dortige Welt spiegelt die Empfehlungen der Produktionsstätten zu 100% wider. Blau = Junge, Rosa = Mädchen.

Frühes Mobbing

Dass das fatale Auswirkungen haben kann, mussten bereits tausende Kinder auf der ganzen Welt feststellen. Eine traurige Erfahrung, die noch auf wesentlich mehr wartet. Mädchen, welche mit Automobilen spielen, müssen sich Beleidigungen wie Kampflesbe anhören, Jungs werden mit Schwuchtel oder Du Mädchen! attackiert. Dieses Mobbing beginnt bereits im Kindergarten, da die Kleinen durch die Werbespots massiv gelenkt werden. Ihnen wird impliziert, dass es bestimmte Spielzeuge nur für das eine oder andere Geschlecht gibt. Wer mit dem scheinbar falschen spielt, kann nach dieser Logik nicht "normal" sein. Und wer nicht normal ist, muss gemobbt und/ oder gemieden werden.

Genderneutrales Spielzeug

In Schweden gibt es seit einigen Jahren eine Werbekampagne, welche Spielzeug mit beiden Geschlechtern bewirbt. Jungs dürfen sich so beispielsweise als Make up – Artist versuchen und Mädchen als Astronautinnen.

In Deutschland und anderen Ländern ist derweil längst nicht die Rede von genderneutralem, also geschlechtsneutralem Spielzeug. Hier werden Kinder weiterhin in Schubladen gequetscht. Mädchen werden mit Hausfrauen – Spielen bombardiert, Jungs mit handwerklichen Berufen. Beides mit dem Ziel, sie auf Linie zu erziehen.

Was Du dagegen tun kannst

Als Elternteil kannst Du sehr viel für genderneutrale Erziehung tun. Höre Deinem Kind einfach zu, was es wirklich möchte und verurteile es nicht. Schenke ihm Spielzeug, mit welchem es spielen mag. Und: schreibe die größten Spielwarenfirmen wie Lego, Mattel und Playmobil an. Fordere sie auf, sämtliche Produktbeschreibungen zu überarbeiten und neues Spielzeug genderfrei zu bewerben.

Hier gibt es viel Lesestoff zum Thema:

Web.de – Ist die Geschlechtertrennung bei Spielzeug noch zeitgemäß?
Süddeutsche.de – Drei gegen das Glitzerpink-Heer
Welt.de – Schwedens geschlechtsneutraler Spielzeug-Katalog
SciLogs.de – Puppenhaus und Ritterburg- spielen Mädchen und Jungen anders?
SciLogs.de – Puppe oder Laster?

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