Archiv: Das Ende von "Titanic"
Hinweis: Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 23.05.2019 auf meinem ehemaligen Autorenblog. 2026 wurde er von mir leicht überarbeitet und als Archivbeitrag auf dieser Website neu hochgeladen.
Da viele das Ende von Titanic, dem Spielfilm aus 1997, anders interpretieren, möchte ich meine Meinung dazu äußern.
Spoilerwarnung: Menschen, die den Film noch nicht gesehen haben und dessen Ende noch nicht kennen, sollten nicht weiterlesen.
Ein perfektes, wehmütiges Ende
Titanic ist einer der sehr wenigen Filme, die mich mit ihrem wehmütigen Ende nicht nur zufriedenstellen, sondern begeistern. Es beginnt damit, dass sich die gegenwärtige Rose (im Alter von stolzen einhunderteins), zum Schlafen in ihre Kabine zurückzieht. Die Kamera fährt dabei auf eine Menge Bilder zu, die sie zuvor aus ihrem Haus auf das Untersuchungsschiff Keldysh mitgebracht hat. Wir sehen die junge Rose, die sich nach Jack´s tragischem Tod ihre Wünsche erfüllt hat. Die Pläne, die beide während der Katastrophe an Deck geschmiedet hatten, wie etwa das Ponyreiten, musste Rose alleine verwirklichen. Wir sehen sie auf den Fotos zwar allein, aber lächelnd. Auch in einen Freizeitpark hatte sie es geschafft. Die Kamera fährt weiter zur friedlich schlafenden Rose und zieht an ihr vorbei. Aus dem dunklen Bildschirm taucht das Wrack der Titanic auf. Bis hierhin sollten sich noch keine Meinungen spalten.
Dann wird die Titanic wieder lebendig, wir besteigen sie ein letztes Mal und dürfen noch einmal ihre unversehrte Schönheit bewundern. Nun schwenkt die Kamera in die erste Klasse, Diener öffnen die Türen und alle Passagiere sind vor der großen Treppe versammelt und schauen uns fröhlich an. Sie beginnen zu klatschen, als wir näherkommen und wir entdecken nach einigen Metern Jack, der auf der Treppe steht und uns anlächelt. Er streckt uns die Hand entgegen, die wir ergreifen. Nun schwenkt die Kamera auf die junge Rose und wir erkennen, dass wir durch ihre Augen gesehen haben. Beide schauen sich einen Moment an, ehe sie sich küssen. Alle Anwesenden applaudieren. Die Kamera fährt zur Glaskuppel hoch. Das Bild wird weiß.
Raum zur Interpretation
Begleitet wird die ganze Szene durch James Horner´s wunderbare Musik, die viel zur Emotionalität beiträgt. Das Ende ist jedoch nicht komplett eindeutig, weswegen es seit der Filmerscheinung Raum zur Interpretation bietet. Da Cal, Rose´ ehemaliger Verlobter, nicht in der Szene zu sehen ist, glauben viele, dass Rose nicht geträumt hat, sondern friedlich entschlafen ist und sich mit Jack nun im Jenseits befindet. Nach dieser Theorie treffen sich ihre Seelen auf der intakten Titanic wieder, um dann für immer beisammen zu sein. Das ist eine interessante Deutung und es steht jeder Person frei, daran zu glauben. Ich sehe die Szene aber als Rose´ Traum an. Auch bei dieser Interpretation wäre Cal nicht zu sehen, denn in ihrem Traum geht es Rose um Jack und nicht um ihren Ex – Verlobten.
Die Keldysh wird nun, wo die Hunderteinjährige ihre Geschichte und die vermeintlich letzten Geheimnisse erzählt hat, den Ort des Unglücks verlassen. Da das Wrack der Titanic – und damit auch Jack´s Leichnam – einige Meilen tief unter Rose liegen, besteht noch einmal eine besondere Verbindung zwischen den Liebenden. Entweder träumt sie jede Nacht von ihrer wahren Liebe oder sie träumt diesen wunderschönen Traum eben aufgrund des Ortes, an dem sie sich noch befindet. Alleine die Schwenks und Einblendungen der alten Fotos, während Rose schläft, haben eine starke emotionale Ausdruckskraft. Dadurch kann das Publikum das große Leid erahnen, welches die junge Frau in ihrem Leben durchmachen musste, wurde sie doch stets an die mit Jack geschmiedeten Pläne erinnert.
Als sich die beiden an der großen Treppe im ersten Deck wiederbegegnen, trägt Rose eine Art schwarzes Hochzeitskleid, wobei die Farbe für ihre innere Trauer steht und signalisiert, dass es sich bei der Szene um einen Wunschtraum handeln könnte. Wäre die Titanic nicht gesunken, hätten beide geheiratet – was ebenfalls eine große emotionale Tiefe birgt. Die Musik vermittelt uns nicht nur ein Hochgefühl, sondern es klingt auch immer wieder Wehmut auf, da das Gesehene eben nicht der erlebten Realität entspricht. Die Uhr, die Jack ansieht, bevor er sich umdreht, zeigt 02:20 Uhr an - jene Uhrzeit, bei der die Titanic sank. Zudem wird der Bildschirm am Ende weiß – was viele Zuschauende eben als das Jenseits deuten.
Fazit
Egal wie das Ende von "Titanic" interpretiert wird: es verdeutlicht uns die tragische Liebesgeschichte von Rose und Jack mit melodramatischen Mitteln, die meiner Meinung nach perfekt gewählt wurden. Aus diesem Grund halte ich das Ende der Kinoversion für eines der besten Enden in der bisherigen Filmgeschichte.
