Skandal um "Better Stay Home": Zensur im deutschen Buchhandel

16.06.2021

Zum ersten Mal seit meiner im Jahr 2014 begonnenen freiberuflichen Autorentätigkeit wird die breite Veröffentlichung eines meiner Bücher verhindert: Better Stay Home. Wie die faktische Zensur begründet wird, welche Argumente ich dagegenhalte und was ich sowohl vom Buchhandel, als auch von meinen Leser*innen fordere, erkläre ich in diesem Beitrag.

Symbolfoto. Bildquelle: pexels-huỳnh-đạt-2313027/ pexels-bruno-cervera-3994840 von pexels.com/ Eigene
Symbolfoto. Bildquelle: pexels-huỳnh-đạt-2313027/ pexels-bruno-cervera-3994840 von pexels.com/ Eigene

Dass meine kostenlose Kurzgeschichte auf kritische Stimmen stoßen würde, war mir schon beim Schreiben dieser Anfang 2021 bewusst. Immerhin geht es darin unterschwellig um Kritik an völlig überzogenen Corona - Maßnahmen, die in Better Stay Home konkret in einer namenlosen amerikanischen Stadt sowie in den Vereinigten Staaten allgemein angewandt werden - während die Bevölkerung schweigt. Dass meine Geschichte nun aber nicht im deutschen Buchhandel erscheinen soll, konnte ich nicht vorhersehen und ist nicht nur beschämend, sondern auch skandalös. Am 15. Juli 2021 erscheint Better Stay Home exklusiv auf dieser Website. Geplant war, dass meine Geschichte am 15. November auch in fast allen Shops erhältlich ist, um sie einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Das haben die Onlineshops nun aber verhindert. Wie bereits meine erste Gratis - Geschichte Ehrliche Reue, wollte ich Better Stay Home über BookRix veröffentlichen, dem beinahe einzigen Anbieter, bei dem kostenlose Bücher herausgegeben werden können. Schon kurz nach dem Klick auf den Veröffentlichen - Button erhielt ich folgende Standardmail von BookRix:

Hallo Denny van Heynen,

leider müssen wir dir mitteilen, dass wir dein eBook "Better Stay Home" nicht an den Handel ausliefern können, da die Shops aktuell keine eBooks akzeptieren, die sich mit dem Thema "Corona-Virus" und "Covid 19" beschäftigen. Der Buchhandel möchte vermeiden, dass ungesicherte Informationen zu dem Thema in dem jeweiligen Shop verbreitet werden. Aufgrund der großen Anzahl an Titeln, die gerade zu dem Thema veröffentlicht werden, werden daher diese Titel pauschal abgelehnt, auch wenn es sich um belletristische Werke und somit um Fiktion handelt.

BookRix selbst hat hier leider keinen Einfluss. Wir bitten hierbei um dein Verständnis.

Einerseits war ich verärgert, andererseits natürlich fassungslos über diesen Vorgang, der nichts anderes als eine Zensur bedeutet. Dabei ging es nicht um meine Geschichte an sich, sondern nur darum, dass ich das Wort "Corona" im Klappentext sowie im Manuskript verwende. Eine Veröffentlichung wäre also theoretisch doch möglich, wenn ich das Wort durch beispielsweise Guntho - 18 ersetzen würde - einem Wort, welches ich gerade erfunden habe und einen fiktiven Virus bezeichnen könnte. Aber das wollte ich nicht, denn in Better Stay Home geht es nicht um irgendeinen Virus, sondern um Corona.

Allgemein ist leider zu beobachten, dass seit 2020 freie Meinungsäußerungen nicht mehr erwünscht sind. Wer nicht die Meinung des Mainstreams teilt, wird als Querdenker, AFD´ler, Nazi etc. diffarmiert. Das ganz normale Menschen, die nicht in diese Schubladen gehören, nach Kritikäußerungen angefeindet werden, wurde Ende April 2021 überaus deutlich, als sich 54 Schauspieler*innen an einer satirischen Aktion namens #allesdichtmachen beteiligten. Schon wenige Stunden nach den veröffentlichten Videos wurden Unkenrufe laut, die Beteiligten aus ihren Arbeitsverhältnissen zu entlassen und damit arbeitslos zu machen (!) Damit hatte die Hysterie in Deutschland in Zusammenhang mit der Kritikäußerung an den Corona - Maßnahmen einen neuen, traurigen Höhepunkt erreicht. Statt die eigene Meinung zu äußern, scheint nun "Fresse halten" zu gelten. Aus diesem Grund mache ich im Vorwort von Better Stay Home auch darauf aufmerksam, dass es mir wichtig war, mittels meiner Geschichte Kritik an den Maßnahmen und politischen Entscheidungen zu äußern - und nicht darum, einen realen Virus zu leugnen...

Meine Forderung an den Buchhandel und Leser*innen

Dass der Buchhandel bestimmte Sachbücher / Ratgeber von selbsternannten Experten, die Corona als Lüge oder von Bill Gates erfunden hinstellen und teure Heilmittel als wirksam anpreisen, nicht veröffentlichen will, ist verständlich. Dass er aber fiktive Geschichten nicht zulässt, nur weil es darin um Corona geht, ist eine Schande. Wenn wir diese Praktik fortspinnen, könnten in wenigen Jahren (vielleicht auch schon nach der nächsten Bundestagswahl) ebenfalls LGBT+ - Bücher und Filme oder Musiktitel, in denen es um Gerechtigkeit, Vielfalt und Freiheit geht, der Zensur zum Opfer fallen. Wollen wir ernsthaft wieder in solche Zeiten zurückkehren und uns unser Grundrecht auf Meinungsfreiheit beschränken oder gleich ganz rauben lassen? Ich glaube nicht!
Deshalb fordere ich den Buchhandel sowie Onlineshops dazu auf, diese skandalösen Beschränkungen mit sofortiger Wirkung aufzuheben und zukünftig zu unterlassen. Die großen Onlineshops habe ich bereits persönlich angeschrieben, sie schieben den Ball aber dem Anbieter zu. Deshalb fordere ich Dich als Leser*in dazu auf, Deine Meinung kundzutun und Deinen Lieblingsshops mitzuteilen, wie Du die Zensur von fiktiven Werken findest. Meinetwegen kann auf den Verkaufsseiten gerne ein Hinweissatz eingeblendet werden, der Leser*innen darauf aufmerksam macht, dass es sich bei den angezeigten Büchern eben um fiktive Geschichten handelt und es darin nicht um wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse geht. Ähnliches macht YouTube bereits seit Frühjahr 2020:

YouTube- Screenshot, Hinweis unter einem Video über Corona - Impfstoffe. Sind solche Einblendungen nicht auch für fiktive Geschichten möglich?
YouTube- Screenshot, Hinweis unter einem Video über Corona - Impfstoffe. Sind solche Einblendungen nicht auch für fiktive Geschichten möglich?

Fazit

Kultur und Kreativität lebt von Einfällen, von Übertreibungen, verrückten, klugen und (un)moralischen Ideen. In meinen Werken habe ich schon von Anfang an auf Missstände aufmerksam gemacht: Missstände im Umgang mit queeren Personen, im Umgang mit Tieren und im gesellschaftlichen Umgang allgemein. An dieser Stelle erwähne ich es noch einmal: Better Stay Home ist eine erfundene Geschichte über eine mögliche dystopische Zukunft. Darin mache ich nun eben auf Missstände in der Politik und in militärischen Strukturen aufmerksam. Und ich werde es weiter tun. In kommenden Neuerscheinungen, in neuen Geschichten und in neuen Bereichen. Jede*r von uns muss sich darüber klar werden, dass ein großes Stück allgemeines Kulturgut wegfällt, wenn Fiktionales zensiert wird. Wenn nur noch Inhalte zugelassen werden, die das allgemeine Gedankengut bestärken. Wenn kritische Stimmen nicht mehr frei sprechen dürfen.

Meine Kurzgeschichte werde ich selbstverständlich zum geplanten Erscheinungstermin am 15. Juli 2021 auf dieser Website zum Download anbieten und hoffe, dass sie irgendwann auch ihre rechtmäßige Veröffentlichung in den bekannten Onlineshops finden wird.